Dominik Schendl
Das Wort Design und seine Interpretation im deutschen Sprachraum macht einem ganzen Berufsstand das Leben schwerer, als es nötig wäre.

Ich bin UX Designer. Wer nicht weiss, was das ist, fragt gerne mal nach. Interessanterweise wollen die meisten jedoch nur wissen, wofür das UX steht. Wer angeblich weiss, was das ist, versteht unter einem UX Designer eigentlich das, was man einen Screen Designer nennt. Aber das Wort Design wird nie infrage gestellt. Schliesslich ist das Wort so geläufig, dass es fast schon eingedeutscht wurde. Und das ist auch der Kern des Problems.

 

Man beachte den Kontext

In der Welt des UX ist der Kontext etwas Wichtiges, um die Benutzer zu verstehen. Der Kontext ist aber auch wichtig, um den Begriff Design richtig zu verstehen. Wenn zwei Freunde sich unterhalten und der eine sagt zum anderen: «Das ist ein wirklich guter Läufer.» Dann macht es einen Unterschied, ob sie in einem Flur mit einem Teppich stehen oder zusammen eine Sportsendung anschauen.

Genauso hat Design im englischen Sprachraum eine ganze Reihe von Bedeutungen. Je nachdem, in welchem Kontext man sich befindet. Selbst in der deutschen Begriffserklärung kommt das Wort Planen als Synonym für Design vor. Es stimmt zwar, dass eine Grafik, ein Kleid oder eine Webseite designed werden. Schaltkreise, Baupläne und Flugzeuge werden aber auch designed. Dennoch unterhalten sich zwei Elektriker kaum über den korrekten Braunton für die Aussenleitung. Ein Bauleiter beschwert sich nicht über den Font der Massangaben. Und ein Luftfahrtingenieur rechtfertigt sich nicht, dass das Flugzeug vielleicht nicht gut fliegt, dafür auffälliger ist und so mehr Passagiere anlockt. Und damit willkommen im Kontext des Engineering Designs.

 

Design als wissenschaftlicher Prozess

Denn das ist es, was UX Design wirklich ist. Es gehört in die angewandte Psychologie und die Verhaltensforschung. Es sollte daher als Engineering Design verstanden werden. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Konstruktionsschritten, um funktionale Prozesse und Produkte zu erstellen. Das heisst, es werden mit Hilfe von Analysen und Feldforschungen empirische Daten erhoben. Diese werden zu Thesen aggregiert und in Anforderungen und Lösungsvorschläge überführt. Anschliessend werden diese in iterativen Prozessen getestet und angepasst, bis die Anforderungen erfüllt sind. Daraus lässt sich schlussfolgern, ein UX Designer muss keine Ahnung von Design haben und ein Designer keine Ahnung von UX Design. Darauf komme ich im Teil 3 der Irrtümer Reihe «Unzertrennbares UI/UX» noch genauer zu sprechen.

 

Ist so, weil ISO

UX hat seine Wurzeln nicht im künstlerischen kreativen Bereich, sondern in der Verhaltensforschung. Ein kleiner Hinweis dazu ist in dem ominösen Kürzel UX versteckt, was nämlich für User Experience, zu Deutsch Nutzererlebnis, steht. Man kann es schon als eine Ironie betrachten, dass User Experience Design im deutschsprachigen Raum erst einmal darin gescheitert ist, sich mit seiner eigenen Begrifflichkeit zu erklären. Auf der anderen Seite ist das genau der Spirit. Man probiert mal aus und lernt daraus. Wie zum Beispiel die internationale Organisation für Normung (ISO), die schon darauf aufmerksam geworden ist. Deshalb findet man dort in der entsprechenden ISO 9241 zwar den Begriff User Experience aber nicht die Begriffe User Experience Design oder User Experience Designer. Stattdessen spricht man dort von User Experience Professionals.

 

Die von der UX

Der Begriff UX darf in seinem Umfang gerne mit IT verglichen werden. Der Normalo hört, dass jemand in der IT arbeitet, also kann derjenige «Computer» und wer «Computer» kann, kann alles mit «Computer». Es sind schliesslich «Die von der IT». Natürlich gibt es Allrounder aber auch Spezialisten. Ein Datenbankentwickler wird nicht unbedingt Netzwerkspezialist und wer vor allem C++ programmiert, wird nicht unbedingt sofort mit Java herumhantieren. Wo jedoch ein Programmierer alles allein coden könnte und ein Designer vielleicht alles allein gestaltet, kann ein UX Designer nun mal nicht unbedingt einfach so alles allein …UX-en. Dazu gibt es mehr im nächsten Teil von UX Irrtümer.

 

Was Heisst das Also?

Im Grunde ist es ganz einfach. Lass dich von der Bezeichnung UX Designer nicht täuschen. Der Begriff Design hat in dem Falle nichts mit unserem eingedeutschten Begriff Design zu tun. Er lässt sich in dem Zusammenhang eher mit dem Begriff Konzept übersetzen und ist als wissenschaftlicher Prozess zu verstehen.

 

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One response to “UX Irrtümer Teil 1 – Design ist nicht Design

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